Homestudio
Von der kleinen Aufnahmesoftware zum Homestudio:
Bericht über den unterrichtlichen Einsatz des Tonstudioequipments.

Alles begann ganz harmlos. Für die blinde Schülerin Büsra Demir (15), die zurzeit die zehnte Klasse des Hoffmann-von-Fallersleben-Gymnasiums besucht, suchte man eine Art Ersatz für den Kunstunterricht.
Wie man sich vielleicht denken kann, ist das Zeichnen, insbesondere genaues Zeichnen, wie es in der Schule verlangt wird, für Menschen mit Sehbehinderung eine große Hürde, wenn nicht sogar unmöglich. Dies erkannte auch der zuständige Lehrer Herr Fischer und es wurde gemeinsam mit Büsra und dem Förderschullehrer Herrn Schönfelder nach einer langfristigen Lösung gesucht. Zunächst kam man auf die Idee, Bild in Tonmaterial umzusetzen. Während die Mitschüler Bilder zeichneten, die bestimmte Szenen zeigten, hatte die betreffende Schülerin die Aufgabe, die gleiche Szene in einer Tonaufnahme darzustellen. Die Aufnahmen wurden mit einer kleinen Software namens "Audacity" bearbeitet. Durch die Effekte, die diese zu bieten hatte und durch andere Techniken war es möglich, diese experimentell einzusetzen.

Doch irgendwann reichte die einfache Aufnahmesoftware nicht mehr. Die sich bietenden Möglichkeiten waren begrenzt und ließen nicht viel Freiraum für große Experimente zu. Diese und weitere Gründe sorgten dafür, dass man sich erneut zusammensetzte und nach einer endgültigen Lösung suchte. Nach vielen Überlegungen entschieden sich die Beteiligten für die Anschaffung eines professionellen Programms und zugehöriger Ausrüstung. Nach einigen Nachforschungen stand fest, dass nur Sonar in Frage kam. Es war leicht zu bedienen und man benötigte keine Maus, um darin zu navigieren, was ein wichtiges Ausschlusskriterium darstellte. Abgesehen davon bringt die Studiosoftware Sonar viele Vorteile mit sich. Ein wichtiger Aspekt ist die Vielfältigkeit der Bearbeitungsmöglichkeiten und die Einbindung von Instrumenten über Mikrofon oder Midi-Schnittstelle . All dies kann man sehr gut in den Unterricht einbringen und interessante Ergebnisse erzielen. Abgesehen davon ist Büsra musikalisch und das Programm wird ihr in der Zukunft sicher sehr nützlich sein.

So kam es, dass am achten Oktober dieses Jahres, kurz vor den Herbstferien ein neuer Laptop mit installiertem Sonar, ein Mischpult und ein Keyboard vom Anbieter Oliver Zenz aus Friedberg (Tonstudiomusiker, Informatiker, Softwareentwickler) nach Braunschweig gebracht wurden. Hinzu kam eine Schulung, die über sieben Stunden dauerte. An ihr nahmen der Förderschullehrer J. Schönfelder, der Kunstlehrer C. Fischer und natürlich die Schülerin Büsra Demir teil. In dieser Zeit wurden die Geräte bei Büsra zu Hause aufgebaut und der Laptop eingerichtet. Danach ging es erst richtig los: Herr Zenz zeigte und erklärte die Basisfunktionen Sonars und ging in manchen Fällen genauer auf das jeweilige Thema ein. Auch nannte er weitere Möglichkeiten, die für den Anfang nicht wichtig, jedoch interessant waren. Am Ende des Tages konnte Büsra die wichtigsten Handgriffe, um eine Aufnahme zu machen.

Die Projektumsetzung hat der Schulleiter Herr Merkel von Anfang an tatkräftig unterstützt. Doch ohne die Spende der Kroschkestiftung, die das teure Equipment und die Schulung finanzierte, hätte dieses nicht verwirklicht werden können.
Das Endergebnis sieht gut aus: Nach einer langen, zeitintensiven Arbeit, ist das Projekt nun in die Tat umgesetzt worden. Büsra hat bereits kleinere, mehrspurige Aufnahmen mit Sonar erstellt und freut sich sehr über die große Bereicherung.


Ansprechpartner: Herr Fischer und Herr Schönfelder

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