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HvF-Seminarfach auf Spurensuche in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel

Herzogin Philippine Charlotte und die europäische Kulturgeschichte im Zeitalter der Aufklärung

Im Zeitalter der Aufklärung war Braunschweig ein bedeutender Knotenpunkt internationaler politischer und kultureller Netzwerke. Das Herrscherhaus der Welfen pflegte enge Beziehungen zum Kaiserhof in Wien sowie nach England-Hannover, Schweden, Dänemark-Norwegen, Russland und Preußen. Ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Verflechtungen stellt der umfangreiche Briefwechsel der Herzogin Philippine Charlotte dar. In ihren Schreiben tauschte sie sich nicht nur über Literatur, Musik und Malerei aus, sondern verfolgte zugleich sehr konkrete politische und wirtschaftliche Interessen. Sie regelte Erbschaftsangelegenheiten, suchte nach gewinnbringenden Kapitalanlagen, vermittelte Ehen und Bündnisse und bemühte sich, ihren Verwandten militärische Kommandos in der Armee ihres Bruders Friedrich II., des Großen von Preußen, zu verschaffen. Darüber hinaus thematisiert sie in ihren Briefen Alltagsfragen wie die soziale Hierarchie innerhalb ihrer Familie, die Rolle von Frauen und Männern in der höfischen Gesellschaft des Ancien Régimes oder den Umgang mit Krankheiten und dem Tod. Auf diese Weise vermittelt ihr Briefwechsel einen umfassenden Einblick in die europäische Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts und erlaubt geltende Geschichtsbilder von der untergeordneten Rolle von Frauen in der Vormoderne zu hinterfragen.

Um die hier skizzierten Themenfelder näher zu erforschen, unternahmen wir unter der Leitung von Herrn Dr. Mühling am 8. und 9. Dezember 2025 eine Exkursion in die Herzog August Bibliothek (HAB) nach Wolfenbüttel. Diese erwies sich als ausgesprochen gewinnbringend, da dort seltene Quellen und Forschungsliteratur zugänglich sind, die wir in Braunschweig nicht ausfindig machen konnten. Nicht ohne Grund gilt die HAB als die bedeutendste Forschungsbibliothek für die Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit im deutschsprachigen Raum.

In der Bibliothek angekommen, erhielten wir zunächst eine fachkundige Führung durch Frau Henrietta Danker, die einen eindrucksvollen Einblick in die beeindruckende Sammlung alter Drucke und Handschriften bot. Anschließend folgte eine Einführung in den Online-Katalog, bei der wir lernten, wie man gezielt nach Quellen und Fachliteratur sucht — eine wichtige Grundlage für die bevorstehenden Facharbeiten.

Im Anschluss daran rückte die eigenständige Forschungsarbeit in den Mittelpunkt. Nun hatten wir die Möglichkeit, unsere individuellen Themenschwerpunkte zu verfolgen; Literatur eigenständig zu sichten und auszuwerten. Unsere Arbeitszeit konnten wir dabei selbstständig organisieren, ohne die üblichen Unterbrechungen durch den Wechsel von Unterrichtsphasen oder das Pausenklingeln. So ließ sich viel konzentrierter arbeiten als in der Schule.

Neben der intensiven Arbeit wurde die Mittagspause genutzt, um den Wolfenbütteler Weihnachtsmarkt zu besuchen, wo Kakao, Crêpes und gebrannte Mandeln für eine heitere Stimmung zwischen den intensiven Arbeitsphasen am Vor- und Nachmittag sorgten.

Zurück in der HAB standen uns das Bibliothekspersonal und unserer Lehrer beratend zur Seite. Das Ergebnis unserer Arbeit kann sich sehen lassen. Nach einer täglichen Forschungsarbeit von 9-18 Uhr und spannender Lektüre, gingen wir mit großen Bücherstapeln und bis zu 12 Seiten Quellenexzerpt nach Hause.

Auch weiterhin bleibt in der HAB für uns noch viel zu entdecken.

(Text und Bilder: Michelle Schwitallik, 12WI & Lisa Bartz, 12PO)

Bildergalerie

AnsprechpartnerIn

Dr. Christian Mühling (MÜHL)
Unterrichtet Geschichte und Französisch
muehling@hvf-bs.net
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